Dr. Stephan Walter erzählt
Geschichte(n) vom Bückeberg
Das neue Jahr 2026 zählt erst wenige Tage und der Heimatverein Apelern lud bereits zum ersten Ortsgespräch ein: im Dorfgemeinschaftshaus in Reinsdorf fanden sich über 40 Zuhörerinnen und Zuhörer ein, um dem 1. Vorsitzenden des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins, Dr. Stephan Walter, über die Geschichte(n) des Bückebergs zu lauschen.
Der Bückeberg als Wirtschaftsstandort
Nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung durch Anika Brockmann in ihrer Eigenschaft als 1. Voritzende des Heimatvereins Apelern, begann Herr Dr. Walter sogleich mit einer geografischen Einordnung: Der Bückeberg, 373,3 Meter hoch, liegt in der Mitte Schaumburgs und zieht sich im Norden von Beckedorf bis hin nach Heeßen im Süden gute 20 Kilometer entlang. Durch die exponierte Lage kam diesem Höhenzug schon immer eine enorme wirtschaftliche Bedeutung zu. Exportschlager war zum einen der „Oberkirchener Sandstein“. Im Jahr 1850 arbeiteten rund 300 Menschen im Bergbau, heute wird der Abbau durch 6 Mitarbeitende vorgenommen.
Und zum anderen kam schon recht früh der Kohle eine große Bedeutung zu; bereits 1386 begann man mit der Gewinnung des „Schwarzen Goldes“. Neben der Glasbläserei (heute Heye-Glas) spielte das Holz als Wirtschaftsfaktor eine übergeordnete Rolle. Die ersten Siedler verwalteten den Wald selbst, allerdings mit dem Ergebnis, dass durch radikale Abholzung ganze Landstriche verwüstet wurden. Erst 1551 wurde durch die „Marktgenossen“ die erste „Forstordnung Bückeberg“ erlassen (an die sich aber auch niemand hielt).
Historischer Bogen weit gespannt
Wie sich im Verlauf des Vortrages herausstellte, wurde der Bogen historisch weit gespannt: Dr. Walter führte uns nonchalant von der Kreidezeit („Bückeburg-Dinosaurier“) und nachfolgenden Lagunenlandschaften bis zum Baubeginn des Kölner Doms im 14. Jahrhundert. Dass das Gasthaus Walter auf dem Kamm des Bückebergs die Stationierung von Abschussrampen für die amerikanischen Patriot-Raketen unbeschadet überstand, fand ebenfalls Erwähnung.
Der Referent erinnerte aber immer wieder mit viel Leidenschaft und Verve daran, dass „die Menschen dort auf dem Berge unvergleichlich waren“. Er erwähnte dabei beispielsweise Karl Jaworski, besser bekannt als Karl „Bum Bum“, der durch seine Possen aber auch durch seine Menschen- sowie Tierliebe als Schaumburger „Original“ weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt wurde. Auch die Anekdote über Hermann Groother als Stammgast des Gasthauses Walter mit seiner „Sondermeldung in dunklen Zeiten“ fand bei den Zuhörern großen Anklang.
Weitere Anekdoten runden den Abend ab
Zum Abschluss des kurzweiligen Abends durfte die Runde noch am „Tasting“ eines edlen „Single Malt Whiskeys“ der Familie Walter teilnehmen; außerdem wusste der Gastwirt Walter von gehörnten Hasenböcken zu berichten, die die Evolution in besonderem Maße bedacht hatte. Die letzte auf Plattdeutsch vorgetragene Geschichte von „Omas Lebkuchen“ nebst Pointe ging im heftigen Applaus der Zuhörerschaft unter!
Nils Mädler, 01 26