Am 22.02., bereits um halb sieben, öffnete sich die Tür des Reinsdorfer Dorfgemeinschaftshauses und die ersten Gäste wurden zum Ortsgespräch begrüßt. Auf dem Programm stand die „Reinsdorfer Kneipengeschichte“. 60 Gäste sollten es noch werden und ein kurzweiliger Abend, der – dank der vielen Zeitzeugen – vollgepackt war mit Erinnerungen und Anekdoten. 

Hinweis: Wir werden die Geschichte jeder einzelnen der drei Reinsdorfer Kneipen in Kürze in gesonderten Beiträgen aufgreifen. Die Geschichten wären an dieser Stelle zu umfangreich – wir bitten noch um ein wenig Geduld.

Foto-Tisch hatte magische Anziehungskraft

Noch bevor die Veranstaltung offiziell begann, versammelten sich immer wieder Gäste um den großen Tisch im Thekenraum des ehemaligen Schützenhauses. Sie begutachteten die ausgelegten Fotos, alte Chroniken der Feuerwehr, der Schützenkameradschaft und den Bildband des Heimatvereins.
Schon da wurden alte Geschichten laut, gerätselt, wen man denn nun auf den Fotos sieht oder beratschlagt, in welchem Jahr das Fotos aufgenommen worden sein könnte.

Angelika Thürnau und Anika Brockmann hatten das Ortsgespräch in Reinsdorf zusammen mit Friedel Kastning und Wilhelm Thürnau vorbereitet, die sich allesamt über die vielen Zeitzeugen unter den Gästen freuten.
Insgesamt war das Publikum allerdings gemischt und auch einige jüngere Reinsdorfer und Besucher aus Apelern, die das aktive Kneipenleben nicht selbst erlebt haben, interessierten sich für ein bisschen Geschichte aus Reinsdorf.

„Deisterblick“ macht den Anfang

Kurz nach 19:00 Uhr begrüßten Anika Brockmann und Angelika Thürnau die anwesenden Gäste und gaben das Wort direkt an Friedrich Niedert aus Apelern, der den Deisterblick wenige Jahre als Kind „life“ erlebt hat. Seine Eltern hatten die Kneipe 1951 von Familie Remmers gepachtet. Ausgestattet mit vielen Fotos aus der damaligen Zeit, die mit dem Beamer für alle sichtbar an die Wand projiziert wurden, rief Friedrich Niedert bereits viele Erinnerungen an Menschen und Ereignisse ins Gedächtnis der anwesenden Zeitzeugen.

An Ergänzungen vonseiten der Zuhörer wurde nicht gespart und Friedrich Niedert erzählte, dass seine Eltern gar nicht die Absicht hatten, die „Kneipe am Bahnhof“ 1956 schon wieder aufzugeben: Ihnen wurde der Pachtvertrag durch Familie Remmers gekündigt. Dazu kam es, weil Niederts Vater sich Geld für einen Spieleautomaten bei Remmers geliehen hatte (damals 800 Mark) das er in den Augen von Familie Remmers etwas zu schnell zurückzahlen konnte…  

Friedel Kastning ergänzte noch einige Daten und Geschichten, die ihm Hannusch Schlaghecke erzählt hatte. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Hannusch leider nicht dabei sein, stellte uns aber sehr viele Fotos zur Verfügung. Judith und Hannusch Schlaghecke betrieben den „Deisterblick“ bis 2016.

In Kürze zu Lesen: Die Geschichte der Gaststätte Deisterblick

Gaststätte Pook, später Arndt

In einem Vortreffen mit Irmgard Brockmann und ihrem Bruder Wilfried Held konnten bereits einige Geschichten zu „Pooks“ festgehalten werden. Familie Held wohnte damals gegenüber der Gaststätte, die Ende der 1950er Jahre an Walter Arndt verpachtet wurde.
Angelika Thürnau trug zunächst vor, was sie sich notiert hatte und wurde von den Zuhörern ergänzt. Einige Ergänzungen konnte Klaus Hermann aus Apelern machen, der eine der Arndt-Töchter geheiratet hatte und die aktive Zeit der Gaststätte Arndt kannte.

Eines der sicherlich bekanntesten Ereignisse, die in der Gaststätte von Walter Arndt stattfanden, war die Gründung des Reinsdorfer Schützenvereins im Jahr 1961.
Wie lange die Kneipe tatsächlich in Betrieb war, konnte an dem Abend nicht geklärt werden. Einige Besucher waren sich jedoch sicher, dass es einen kurzen Zeitraum, etwa Mitte der 1960er gab, in dem alle drei Reinsdorfer Kneipen in Betrieb waren.

In Kürze zu Lesen: Die Geschichte der Gaststätte Pook/Arndt

Gaststätte Dorfkrug & Hotel Salzbach

Fast hätte Elfriede Hennies es nicht geschafft zu kommen, denn – wie solltes es anders sein – sie hatte an dem Abend zuhause Gäste zu bewirten. Doch sie hat es geschafft. Und sie hat ganz viel erzählt aus ihrer Zeit als Wirtin des Dorfkrugs, was sie mit ihrem Mann alles auf die Beine gestellt hat und was es bedeutet hat, so einen großen Betrieb am Laufen zu halten.

Busreisen hatten den Dorfkrug und das Hotel Salzbach in den 1970er als Ziel, Familie Hennies richtete Bälle, etwa zu Weihnachten oder Sylvester aus, Kegelclubs kamen am Wochenende. In der Woche waren Messegäste aus Hannover oder Monteure zu Gast.
Neben dem Gaststätten- und Hotelbetrieb boten Hennies „Ferien auf dem Bauernhof“ an und hatten mit dem damals sehr modernen Campingplatz auch ständig Feriengäste zu versorgen.

Viele anwesende Gäste erinnerten sich an rauschende Feste, die man gemeinsam im Dorfkrug gefeiert hat. …zu denen der ein oder andere Reisdorfer auch als Helfer vonnöten war. 

In Kürze zu Lesen: Die Geschichte des Dorfkrugs

Die alten Bilder nahmen kein Ende

Dank Detlef Kühn, Reinsdorfer bis vor Kurzem, hatten wir auch nach dem offiziellen Teil des Ortsgespräches noch lange etwas zu Gucken. Er hatte sich vor einigen Jahren, zum Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Reinsdorf, die Arbeit gemacht, alte Fotoalben der Dorfbewohner nach wertvollen Fotos zu durchforsten. Solche, die für das Dorfleben charakteristisch waren, Feste und Umzüge oder markante Gebäude zeigten, hat er digitalisiert und am 22. mit ins Dorfgemeinschaftshaus gebracht.

Zusammen mit Friedrich Niedert lies er diese Bilder nochmal „durchlaufen“, was besonders die Zeitzeugen dazu einlud, noch eine ganze Weile zu bleiben.

Alles in Allem blicken wir auf einen gelungen Abend zurück, der nach Wiederholung verlangt. Beim nächsten Mal mit einem anderen Thema; wir hätten bereist die ein oder andere Idee… 

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